Mirror’s Edge

Dem Hype sollte man nicht trauen. Gerade im PC-Bereich steht das außer Frage. Und wenn ein Game dermaßen beworben und hochgejubelt wird, dann ist da was faul. War bei Command & Conquer 3 so (wer erinnert sich noch an die “Nachtmissionen” *ha*). Und nun wird Mirror’s Edge gehyped.

Zu Recht.

mirrors_edge_4

Es ist das erste Spiel seit langer Zeit, dass mich nicht nur interessiert hat, sondern das mich begeistert. Das mich gefangennimmt. Und das mich einsaugt, fesselt – beschäftigt. Über das Spiel hinaus.

Warum? Gute Frage. Schwer zu beantworten. Fangen wir mal nüchtern mit den Schattenseiten an. Denn die gibt es durchaus und nicht zu knapp.

* Schwindelanfälle sind vorprogrammiert. Das liegt in der Natur der Sache – immerhin geht es hier in 3D richtig zur Sache. Da wird an Wänden entlanggelaufen, gesprungen was das Zeug hält, mal eben blitzschnell nach oben geschaut und wieder abgesprungen. Alles in Fullspeed.

* Grafische Leere. Ja, wenn man mal Zeit findet, sich die Level anzusehen stellt sich doch eine gewisse Routine und Tristesse ein. Die Levelgestaltung wiederholt sich, viele Elemente sind einfach immer wieder zu sehen.

* Künstliches Aussehen. Kein Graffiti, kein Stäubchen Schmutz in der perfekt klinischen Stadt. Wobei das auch als Stilmittel durchgehen kann (siehe unten).

* Menschliche Leere. Die Büros sind total verwaist, kein Leben in den Gebäuden. Menschen gibt es nur als weit entfernte Punkte zu sehen – oder als Gegner.

* Frustgefahr. Gut, es mag Spieler geben, die Mirror’s Edge in nullkomma-nix duchgezockt haben und das Spiel einfach fanden. Für den Gelegenheits- und Durchschnittsgamer zieht der Schwierigkeitsgrad allerdings doch unangenehm steil an. Einige Abschnitte sind nur durch Ausprobieren (und Sterben) sowie Auswendiglernen zu schaffen.

Eigentlich geht Faith selten so rabiat zu Werke

Alles Zutaten, um ein Spiel zu killen? Richtig. Aber nicht dieses.  Denn Mirror’s Edge schafft es, trotz oder gerade wegen dieser Schattenseiten ein strahlendes Licht zu erzeugen. Und was für eines…

Das Spiel baut durch die künstlich-perfekte-Welt sofort ein Gefühl des “Das ist nicht real” auf. Dennoch wird es verdammt real. Realistischer als die meisten anderen 3D-Shooter und Games bisher. Denn wir sehen Faiths Füße, die Hände, die Beine wenn wir runterschauen. Auch bei der Rolle wird nicht gnädig in die dritte Person geblendet. Nix is, wir SIND Faith und da haben wir auch alles mit ihren Augen zu sehen. Die Identifizierung mit der Person kommt da ganz schnell.

Dann macht es einen Höllenspaß, mit einem Mördertempo über die Dächer zu flitzen, Wände langzukraxeln und den Cops ein Schnippchen zu schlagen. Wobei eines klar sein sollte: Das Game ist kein Ballerspiel. Wenn Faith einem Cop eine Waffe aus der Hand schlägt, dann kann sie meist nur wenige Schuss abgeben, dann ist die Waffe leer. Und zielgenau ist sie auch nicht. Ursprünglich war angedacht, dass sie eine Waffe als Standartausrüstung haben sollte. Gottseidank wurde das geändert. Denn nicht selten wünsche ich mir einen Cheat, um die Gegner einfach wegzublenden. Soviel Spaß macht das simple Rennen durch die Level.

Sogar Höhenangst stellt sich manchmal ein. Wer durch das Atrium geklettert ist, um an die Waffe für Kate heranzukommen, weiß was ich meine. Das ist Höhe Leute. In keinem PC-Spiel hatte ich bisher das Gefühl: Oh mein Gott, ist das hoch. In keinem Spiel hatte ich zeitweise solche Angst um meinen Protagonisten nur wegen einer Kletterpartie.

006

Das Spiel lässt euch kaum Zeit, die Umgebung wahrzunehmen. Besonders in den U-Bahn Szenen oder wenn (mal wieder) die Cops hinter euch her sind werdet ihr kaum Luft holen können. Das Spiel baut eine ständige Spannungskurve auf, die euch erst beim (viel zu schnell erreichten) Ende wieder entlässt. Aber glaubt mir, ihr werdet das Game nochmal spielen. Und nochmal …

Bemerkenswert, da die technische Umsetzung kein High-End ist. Aufmerksame Augen werden bemerken, dass es grafisch zwar gut umgesetzt ist, aber mit Protz-Engines wie von id-Software nicht mithalten kann. Will Mirror’s Edge auch gar nicht. Den Grafikstandard lässt das Game andere setzen. Dafür macht es, wie bereits geschrieben, extrem Spaß. Trotz Fruststellen, die nimmt man fast nebensächlich in Kauf. Ich jedenfalls habe mein Spiel des Jahres gefunden. Obwohl das Jahr, wie Firefox richtig bemerkt hat, erst angefangen hat. Aber so eine Innovation wie Mirror’s Edge, verbunden mit soviel Spaß, wird es wohl dieses Jahr nicht mehr geben.

Technik: Das Spiel läuft auch auf schwächeren PCs noch flüssig. Meine alte Radeon 1950xtx spielt das ganze mit 1920×1200 ohne zu murren. Viel RAM sollte aber schon da sein.

Windows 7: Es gibt ein Problem mit den Ingame Videos unter Windows 7. Diese werden ohne Ton abgespielt. Lösung bringt die Installation des OpenALchemy Treibers von Creative (auch, wenn ihr keine solche Soundkarte habt). Sucht mal bei Filefront nach dem Treiber. Dann installieren, das Binary-Verzeichnis von Mirror’s Edge im Alchemy Treiber aufnehmen und das ganze aktivieren. Das wars.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s