Militaristische Aufrüstung auf der Militärmesse…

Ich mag die c’t. Ich finde sogar, dass sie eine der ganz wenigen noch vertrauenswürdigen und lesenswerten Zeitschriften in Deutschland ist. Große Worte für eine große Zeitung, sage ich jetzt einfach mal polemisch ^-^. Und “Polemisch” ist das richtige Stichwort. Hat doch einer der Heise-Autoren einen Rundgang über die Gamescom in Köln gewagt und entsetzt festgestellt: Kriegsspiele überall! Soweit, so leicht. Aber das mit den Notstandsgesetzen von 1968 und den Studentenkrawallen in Verbindung zu bringen … ui, das ist ein Meisterwerk.

Hier erstmal der Link zum Kommentar (ich betone nochmals: KOMMENTAR. Das ist die persönliche Meinung eines Autors. Sein gutes und wie ich finde schützenswertes Recht!)

Gelesen? Gut! Die Behauptung, dass auf der Messe “Kriegsspiele” einen deutlichen Überhang haben (“wähnte sich zuweilen auf einer Kriegsspielmesse”), ist anhand der martialischen Bilder nicht von der Hand zu weisen. Battlefield und Call of Duty beispielsweise werden mit Riesenwerbeaufwand in den Markt gedrückt. Aber sie waren in den Vorjahren bereits präsent, wurden per Internet bereits mit Millionensummen beworben (und verkauft). Dass diese beiden Spiele, die in Verkaufszahlen die vorderen Plätze in den Charts belegen, auf einer Videospielmesse auffallend beworben werden, dürfte also nichts ungewöhnliches sein. Über ihren Inhalt darf man gerne geteilter Meinung sein (wie ich zum Bespiel).

Gut, weiter im Text: “Aber auch in Deutschland setzt man auf neue Kriegspielkonzepte. So produziert der frisch mit dem Deutschen Computerspielpreis ausgezeichnete Hersteller Crytek…” – das ist ein Satz, den man durchaus als gemein bezeichnen darf. “Neue Kriegsspielkonzepte” ist jetzt nicht unbedingt was gutes, positives. Und da haut der Autor gleich mal Crytek in die Pfanne: Hat doch die Firma, die diese “Kriegsspielkonzepte” entwickelt, gar einen "Computerspielpreis” gewonnen. S-k-a-n-d-a-l-ö-s scheint das für den Autor zu sein (mein Eindruck, alles rein subjektiv bitteschön). Dass dieser Computerspielpreis der “Kriegsspielentwickler” sich auf die technische Leistung bezogen hat, er also für die Entwicklung einer bahnbrechenden und sehr gut skalierenden Engine für Spiele aller Art, ob Renn-, Kriegs- oder Denkspiele bezieht ist nicht aufgeführt. Tut auch nichts zur Sache …

Echtes Kriegsgerät präsentierte die Bundeswehr im Untergeschoss”. Ist es nun für den Autor verwerflich, dass die Bundeswehr überhaupt Präsenz zeigt oder dass sie es mit echtem Kriegsgerät tut?`Ja guten Tag auch. Soll die Bundeswehr Pappe hinstellen und sagen: Ist alles nur Spiel? Alles nur Spaß? Denn das wäre gelogen und heuchlerisch. Und dass die Bundeswehr auf einer solchen Messe präsent ist – ja, das kann man sich fragen. Aber von der PR her ist das einfach die beste Gelegenheit.

“Echte Waffen, wie sie das US-Militär auf der E3-Spielemesse in den USA präsentiert, waren noch nicht zu sehen. Aber die Berührungsängste schrumpfen.” Ahh schön, das USA-Bashing. Dass Amerikaner mit Kriegsgerät gleich welchem Kalibers (was ein Wortspiel) wenig Berührungsängste haben, dürfte nichts Neues sein. Schön auf die E3 verweisen und dann orakeln, dass die Berührungsängste in Deutschland schrumpfen würden. Sehen wir bald EA-Panzer übers Gamescom Gelände rollen? Activision Flugzeuge, die diese dann bombadieren?

Ich denke nicht. Dafür sind die kulturellen Unterschiede einfach noch zu groß. Fakt ist allerdings, dass es Kriegsspiele gibt. Dass sie millionenfach verkauft werden. Und dass Kunst & Kultur immer ein Spiegel des aktuellen Geschehens sind. Während ein Diktator sein Volk systematisch tötet, ein angeblich demokratisch gewählter Ex-Agent eine neue Diktatur mit Schauprozessen gegen Frauen festigt und die Taliban in immer mehr Ländern wütet, wächst das Interesse an Spielen mit militärischen Inhalten, die ein einfaches Prinzip haben: Hier ist der Feind, da ist eine Waffe. So einfach ist die Welt zwar nicht, aber die Spiele. Menschen suchen einfache Antworten.

 

Leider hat auch der Autor des Heise Kommentars die einfache Antwort gesucht. Große Werbeplakate von gehypten Shootern = Kriegsmesse. Sorry… das wars aber nicht. Gucken wir doch mal bei den “Verdächtigen”

Das EA-LineUp:

  • Crysis 3 (das erwähnte neue Kriegsspiel von Crytek)
  • FIFA 13 (hmm, nicht sehr kriegerisch)
  • EA SPORTS FIFA Manager 13 (ebenfalls nicht sehr kriegerisch)
  • Medal of Honor Warfighter (ja, das ist kriegerisch)
  • Need for Speed Most Wanted (hmm naja, vielleicht ein Aufruf zum Schnellfahren?!)
  • Star Wars: The Old Republic (na, man kann mit Lichtschwertern Menschen angreifen … und Aliens)
  • SimCity (immerhin könnte ich ja Gebäude kaputt machen…)
  • Battlefield Erweiterung Armored Kill (Simulierter Krieg)

Das Activision Line-Up:

  • Starcraft 2: Heart of the Swarm (man kann andere Einheiten kaputt machen, das stimmt)
  • World of Warcraft: Mists of Pandaria (man kann gegen andere Leute kämpfen, mit Zaubersprüchen und Schwertern)
  • Call of Duty: Black Ops 2 (Gewalt, Blut und Gemetzel)
  • Diablo 3 (noch mehr Gemetzel, nur halt gegen Höllendämonen oder ähnliches).

Ich erspare mir mal die Auflistung der anderen Firmen, die auch nur auf blutrünstige Spiele wie NBA2K 2013 (2K Games) oder Der Landwirtschaftssimulator 2013 (Astragon) setzen.  Fakt ist: Ja, es gibt brutale Spiele. Doch dass sie eine Masse ausmachen, die eine Videspielmesse beherrschen würden, ist nicht richtig. Es ist polemisch. Es ist kurzsichtig. Und es riecht nach Ressentiments.

Statt wie damals mit bis zu 80.000 einen Sternmarsch nach Bonn zu veranstalten, strömen sie lieber nach Köln.” Das ist ein Satz, der mich wütend macht. Der mir aber auch Angst macht. Angst davor, dass so eine Denkweise sich wirklich mal durchsetzt. Eine VIDEOSPIELMESSE wird hier vom Autor mit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Einsatz des Militärs im Inneren gleichgesetzt, nur weil auf der Spielemesse ja auch militärische Simulationen gezeigt würden – also das ist harter Tobak. Genauso gut kann ich die IFA in Berlin mit dem Euro-Rettungsschirm gleichsetzen, immerhin werden ja auch Fernseher und BluRay-Player in Griechenland verkauft. Das ist ganz großer Käse. RICHTIG GROßER KÄSE.

Dass “die Jugend” sich für nichts interessieren würde, sich nicht engagieren würde, das ist nicht neu. Das haben schon andere zu anderen Zeiten gesagt, Herr Gieselmann. Ich wette, sogar zu ihrer Jugendzeit war das zuhören. Das Computerspiele doof machen und Amokläufer erschaffen, wurde auch schon lange und oft behauptet. Dass Computerspielmessen aber Jugendliche davon abhalten, sich zu organisieren und in Protestmärschen gegen Aufrüstung im Inneren zu protestieren, absurder kann der Kommentar eigentlich nicht mehr werden. Und falls Herr Gieselmann es noch nicht bemerkt hat – die ACTA-Proteste wurden auch und gerade von jüngeren, Internet- und auch Spiele-Affinen Menschen koordiniert. Das nur am Rande.

“Solche Zahlen dürften die Verantwortlichen beflügeln, die Militarisierung der Spielebranche weiter voran zu treiben.” Und Onanieren macht blind.

(alle Bilder © Gamescom)

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Ein Gedanke zu „Militaristische Aufrüstung auf der Militärmesse…

  1. Gut Geschrieben .. Gehe deine Denkweise mit.. „Manchmal“ geht die Denkweise einiger Journalisten komische Wege.. Aber wir haben ja noch das sogenante Sommerloch…

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