Gefühle im Social Network

Manchmal soll uns ja auch mal was Gutes passieren. Kommt vor – und das wollen wir auch manchmal per sozialem Netzwerk mitteilen. Komisch finde ich dann aber dann häufig die Reaktionen auf eine Nachricht wie diese: “Wunderbare SMS erhalten, der Tag wird gleich sonniger. Und einen supersonnigen Tag wünsche ich allen!” Die Reaktionen auf eine derartige, im Gefühlsüberschwang verfasste Nachricht, lässt mich fragen: Können wir uns eigentlich noch einfach nur freuen?

Da kommt sofort die Frage, was das denn für eine SMS war. Und dann darunter die Bitte, doch alle aufzuklären was so schön sei. Alles verständlich, richtig und ja, hätte ich wohl auch so gemacht. Aber irgendwie bekomme ich Lust, mal andere Beiträge auf Facebook anzuschauen, so die fröhlichen, die traurigen. Und immer wieder kommt die Bitte, nein Aufforderung nach Erklärung, nach Hintergrund.

Das ist, wie gesagt, logisch. Aber können wir uns nicht einfach mal freuen? Einfach mal weinen? Die bittere Antwort: NEIN. Es muss erklärt, gedeutet, es muss mitgeteilt werden. Doch was ist denn, wenn der Schreiber gar nicht so sehr den Grund herausstellen will, vielleicht auch seine Privatsphäre (ja, doofes Wort im Web 2.0, ich weiss) schützen möchte und es ihm nur darum geht, seine derzeitige Gefühlslage seinen Freunden mitzuteilen und zu sagen: “Hey, ich bin gut drauf und wünsche euch das auch”. Vielleicht hätte man das so formulieren sollen, doch dann würde auch gefragt werden: “Warum?”

JA, ich weiss (um es nochmal zu betonen), das zeigt Interesse. Empathie. Das macht man so. Aber mir fehlt auch einfach das Mitfreuen, Mitweinen. Ohne dass da gleich ein Video von erscheint, ohne dass bis ins Extrem erklärt werden muss, warum. Wieso. Wann. Mit Wem. Ohne Wem. ES KOTZT MICH AN!. Der Spruch “Pic or it didnt happen” war mal als Gag gemeint. Als Satire auf diese nervenden “das kann gar nicht sein, weil Du kein Foto gemacht hast” Kommentare. Das war Satire Leute!

Heute ist es die Norm. Schreib umfassend auf, warum Du das Gefühl hast. Oder es ist für andere nicht passiert. Hmm – also meine Freunde haben mir einst einfach geschrieben: “Nee, bin nicht so gut drauf heute” oder “Hey, super Tag heute. Wünsch ich Dir auch”. Ohne dass es seziert, analysiert und debattiert werden musste. Wir zerreden unsere Gefühlswelt, wir können sie gar nicht mehr fühlen ohne “Beweise", Herleitungen und Fotos.

Nein, ich muss nicht beweisen, das ich gut drauf bin. Oder schlecht. Ich muss es einfach nur fühlen. Und das reicht.

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