Aufwertung von Alien Isolation löst das Problem nicht

Christian Schmidt, Ex-Gamestar-Redakteur, hatte einst gewagt zu fordern, die Spielspaßbewertungen “ad acta” zu legen (reißerisch formuliert). Ein Sturm der Entrüstung folgte auf seine Ideen. Vielleicht (nur vielleicht) ist der Test von Alien Isolation in der GameStar ein gutes Beispiel, warum er Recht hatte. Auf jeden Fall aber ist der Testbericht für mich ein Beispiel, das es a.) Menschen sind, die testen, bewerten und schreiben. Und b.) dieser dämliche Aktualitätsdruck um jeden Preis einfach nur schadet.

Die Fakten: Alien Isolation erscheint. Die GameStar ist eine der ersten im dt. Raum, die einen Test des Spiels online haben. Und der verwunderte mich damals: 73%? Mein erster Gedanke, und sorry – das war so und so schreibe ich das: Auffallen um jeden Preis?! Denn nach dem Lesen des Testes schien es mir fast so, als ob die GS doch etwas sehr auf die Reaktionen schielte, sich absetzten wollte. Sie waren eine der Ersten beim Berichten – aber einem gestandenen Redakteur hätte damals schon klar sein müssen, dass dieses Spiel trotz Ecken und Kanten ein gutes ist. Nur welche Wertung angemessen ist, hmm das ist schwer zu sagen. 73 % jedenfalls erschien mir damals VIEL zu niedrig. Trotz der für mich offenkundigen Versuche im Text, diese herbeizubiegen. Ich habe keine Beweise für mein Gefühl, will nichts herbeireden. Aber habe zu viele Testes gelesen, viele Reportagen auch von ehemaligen Redakteuren verschlungen.

Der Test von Alien Isolation in der Urfassung erscheint mir als ein Versuch, mal wieder aufzufallen. Und mit 73% fällt man als reichweitenstarkes Medium schon aus der Reihe und man fällt auf. Die Leute klicken neugierig, wollen wissen was denn nun mit dem Knaller los ist, wenn die Wertung so sagenhaft niedrig ausfällt. Christian Schmidt hatte dafür plädiert, die Höhen und Tiefen zu erzählen, sich darauf zu konzentrieren wie man selbst (also der Tester) das Spiel erlebt hat, was einem begeisterte und was nicht. Mit eine Tendenz – aber nicht mit einer Prozentwertung am Schluss. Eher Backgroundinfos, Gutes und Schlechtes. Die Einschätzung wird also dem Leser überlassen. Gerade bei Alien Isolation wäre das wohl besser gewesen.

Kai Schmidt schreibt zur Wertungskorrektur: “Nicht zuletzt aufgrund des Leser-Feedbacks habe ich mich weiter mit dem Spiel beschäftigt, einige Missionen erneut gespielt. Und siehe da: Ich musste erkennen, dass ich aus Aktualitätsdruck tatsächlich zu eilig an Alien: Isolation herangegangen bin. Ich war beim Spielen generell etwas zu ungeduldig, ohne es wirklich zu merken – und ging deshalb von einem »kaputten« Spiel aus.”

So sehr es mich freut, dass auf Leserkritik eingegangen wird, so scheint mir das doch etwas kurz gesprungen. Denn was ist dann, wenn man das nächste BF testet? Den nächsten CoD Teil “zu niedrig” bewertet. Gerade bei Spielen mit starker und loyaler Fanbase kann man dann alle Wertungen zu Teufel jagen. Aber der angesprochene Aktualitätsdruck ist ein guter Hinweis darauf, was “kaputt” ist. Gerade Titel, die wirklich das Hineinspielen erfordern (also nicht die typischen Aufmacher wie BF und CoD) erfordern Zeit. Die für den ersten Online-Test eh nicht da ist. Kai Schmidts Entschuldigung ist bemerkenswert und ich glaube ihm das. Aber es wird wieder passieren – einfach weil die Redakteure unter diesem immensen Druck stehen. Das GameStar Plus wird das Problem nicht lösen, fürchte ich.

Der Test von Alien Isolation jedenfalls hat mich zuerst irritiert. 73% waren mir schlichtweg zu sehr aufs “Ha! Wir sind mal anders als alle anderen” geschielt. Underdog-Image halt. Aber die Aufwertung, oh jeh. Irgendwie unbefriedigend. Denn so richtig Kai Schmidt das auch begründet, das Tor für die nächsten Nach-Wertungen steht auf. Nun wird es mehr denn je ein schwammiges Konstrukt: weichen die Prozente nach einer Woche einer neuen Wertung, sobald mehr Zeit zum Testen da war?! Christian Schmidt hatte Recht! Weg mit den Prozentmist! Alien Isolation in der GameStar zeigt, warum.

PS: Was war denn mit dem Ende von Mass Effect? Es hätte aufgrund der starken Überarbeitungen ja wohl eine Aufwertung um 1 bis 2 Prozent geben müssen (Ironie).

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