Erinnerungen an die ASM–Chaos und SPaß

Einen tollen Artikel über die seelige ASM (Aktueller Software Markt) gibt es drüben bei Retropie.  Und weil ich gelernt habe, Ressourcen zu sparen und die Synergien zu nutzen (bla bla Marketingsprech), habe ich einfach mal meinen Kommentar zum Artikel auch hier in meinen Blog angefügt. Oder auf Deutsch: ich sage auch mal was zur ASM und weil ich faul bin, kopier ich einfach meinen Comment hier auch rein.

“Auch typisch für die ASM war, dass Schriftfarben auf Hintergründen meist so gewählt wurden, dass man die Texte kaum lesen konnte. Barrierefreiheit war in den 80ern eben noch nicht angekommen. Was das Layout betrifft, wurde generell mit Abständen und Größen gegeizt. Alles wirkte sehr eng und gedrungen, die Schriftgrößen mitsamt Zeilenabstand doch recht klein. Heute würde mich sowas wahrscheinlich stören und das Heft sofort wieder zurück ins Regal wandern. Früher ist es einem gar nicht aufgefallen. Zum Glück, denn inhaltlich zeigte die ASM ihre wirklichen Stärken…”

mehr gibts bei Retropie. Dort weiterlesen, hopp hopp.

Ich hatte die ASM von Ausgabe 1987 bis Feb. 1995 komplett bei eBay gekauft. Supergünstig, das teuerste waren die Versandkosten für diesen Mega-Packen an Papier.

Die ASM ist damals an mir vorbeigegangen und so habe ich erst durch den eBay Kauf reingeschmöckert – und ich bin immer noch beeindruckt von der Zeitschrift.

Das Layout, besonders das der 80er-Ausgaben, scheint von keinen eindeutigen Vorgaben belästigt worden zu sein. Eher wirkt es oft so, als ob mal eine neue Sache von den Layoutern ausprobiert wurde, halt “mal gucken ob es passt”. Dazu kommen Testberichte, die fast den kompletten Text lang erstmal erzählen, wie es dem Autor so geht, welche Gedanken er beim Starten des Spiels hatte – und upps, ganz zum Schluss dann noch fix drei Sätze zum Programm. Welches, das muss man sich heute mal vorstellen, mit keinem Screenshot gezeigt wird. Ein Spielbericht ohne Bilder … superb. Dazu kommen Artikel, die auf Seite 4 beginnen und dann einfach mal so mit einem “weiter auf Seite 76” abbrechen. Und da steht dann halt an der oberen Ecke gequetscht der Rest, meist so ca 5 bis 10 Zeilen. Als Journalist, der mit Layoutvorgaben gequält wurde, ist das schon witzig bis haarsträubend zu sehen (und irgendwie doof zu lesen).

Auch werden in Testberichten schon mal gerne die ersten 20 bis 30 Minuten erzählt, in ausführlicher Länge und Breite. Gut, was heute sinnlos erscheint hatte damals Methode. Denn da gab es, gerade bei Textadventures, nunmal keine schnelle Hilfe, kein Internet zum Nachlesen. Und die Tipps & Tricks-Seiten waren dann halt erst im nächsten Monat zur Stelle. Dennoch, einen solchen Testbericht zu lesen ist schon Hammer: eine ganze Seite lang wird jeder Klick, jeder Schritt beschrieben – und zum Ende noch schnell erwähnt, dieses Programm sei toll und fertig. Witzig auch, wenn die Autoren im Test schrieben, dass sie eben nicht weitergekommen wären, dass sie an der und der Stelle scheiterten und dass sie die nächsten Level nicht sehen konnten. Fehlbarkeit zugeben? Das wäre ja heute unfassbar. Das alles in einem Bericht verpackt, der gerne andere Überschriften benutzte, als alles andere im Heft, dazu manchmal schwer lesbare Hintergründe.

Aber diese kleinen Nicklichkeiten waren egal. Denn die ASM packte das alles in einem wunderbaren Flow voller Enthusiasmus, Begeisterung und Herzblut. Sie schaffte es so, eine einzigartige Zeitschrift zu werden. Das war sicherlich auch nur zu eben jener Zeit möglich – kein Herausgeber, der ständig hineinquatscht, kein Online-Druck, kein ständiger Krach wegen Budgets.Man stelle sich das heute vor, bei der PC-Games oder der GameStar oder …

Und darum auch zur Frage auf Retropie: ich denke nicht, dass die ASM die 90er lange überlebt hätte. Auch mit den Redakteuren Manni & Co. nicht. Denn die Freigeister, die Spielfreude und der Mix von Größenwahn und Bodenständigkeit ist in der Branche spätestens Ende der 90er abgeschafft worden. Von daher war es so vielleicht am Besten … statt heute eine “ASM, präsentiert von ComputerBILD” oder so ertragen zu müssen.

Tolle Zeiten waren das ;-)

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